= Bezeichnung für Bemühungen der tschechoslowakischen kommunistischen Partei unter Alexander Dubcek im Frühjahr 1968, die ein Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm durchsetzen wollte
= 2 gegensätzliche Vorgänge:
Durchsetzung des Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramms
gewaltsame Niederschlagung dieses Versuchs am 21. August 1968 durch Truppen des Warschauer Paktes
In allen Staaten der ehemaligen Sowjetunion gab es in den 1950er Jahren immer wieder Bestrebungen die schlechte wirtschaftliche Situation und politische Unfreiheit durch den „Kampf“ um mehr Eigenständigkeit zu verbessern. Sie wurden jedoch immer schon im Keim erstickt.
Beim Prager Frühling im Jahr 1968 handelt es sich erstmals um einen „von oben“ eingeleiteten Versuch einer friedlichen Reformierung des Systems. Durch Reformen wie z.B. die Einführung einer sozialistischen Marktwirtschaft und die Zulassung autonomer Gewerkschaften und privat geführter Kleinbetriebe sollen helfen die Krise des sowjetischen Systems zu beseitigen.
Die ebenso neu gewonnene Presse- und Versammlungsfreiheit machen es möglich, dass Ludvik Vaculik, ein bekannter Schriftsteller, das „Manifest der 2000“ Worte verfasst, in welchem er die alte Führung der kommunistischen Partei wegen Inkompetenz sowie Korruption verurteilt und zu Streiks auffordert. Dieses Manifest wird in den folgenden Wochen von mehr als 10000 Menschen unterschrieben, darunter prominente Wissenschaftler, Künstler und
Daraufhin locken die Warschauer-Pakt-Staaten die CSSR in eine Falle: sie erteilen der tschechoslowakischen Armee den Befehl, ihre westlichen Grenzen massiv zu sichern.
So können am 21. August 1968 die Truppen der Sowjetunion, Polens, Ungarns und Bulgariens in die CSSR einfallen, ohne auf Gegenwehr von Seitens der Armee zu stoßen.
Doch das Volk übt einen gewaltlosen Widerstand aus. In Ortschaften werden z.B. Schilder, die nach Prag weisen falsch aufgehängt, so dass große Truppenteile im Kreis laufen oder auf im Wald endende Wege geleitet werden. Die Einwohner Prags vertauschen Straßenschilder, übermalen Hausnummern und an tausenden Haustüren sind nun die Namen Dubceks und der anderen Reformer zu lesen. Ebenso reden sie mit den Soldaten und überzeugen sie von den Vorteilen des Prager Frühlings, so dass die Truppen bereits nach 2 Tagen ausgewechselt werden müssen.
All diese Bemühungen können jedoch nicht verhindern, dass Dubcek und die restlichen Reformer gefasst werden und das „Moskauer Protokoll“ unterzeichnen müssen, das die Aufhebung fast aller Reformprojekte enthält. Dies ist das Ende des Widerstandes der Bevölkerung und somit auch das Ende des Prager Frühlings.
Die Folgen des Prager Frühlings 1968:
160000 Menschen, in erster Linie Facharbeiter und Intellektuelle, verließen die Tschechoslowakei und wanderten nach Österreich aus.
Aus Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings verbrennen sich der Student Jan Palach und Jan Zajic öffentlich auf dem Wenzelsplatz.