Die Geschichte
1958 entwickelten der Regisseur Alfréd Radok und der Bühnenbildner Josef Svoboda für den tschechischen Pavillon der EXPO-Weltausstellung in Brüssel eine Inszenierung mit dem Namen „Laterna Magika“.
„Laterna Magika“, lateinisch für „Zauberlaterne“, ist ursprünglich die Bezeichnung für ein Bildprojektionsgerät, das vom 17. bis 20. Jahrhundert auf Jahrmärkten und Messen vorgeführt wurde und dessen Bilderserien sowohl zur Unterhaltung als auch zur Erziehung des Volkes genutzt wurden.
Nachdem dieses erste Projekt auf der Messe in Belgien einen großen Erfolg hatte, wurde sie weltweit zu Gastspielen eingeladen. Bald gründete sich ein festes Ensemble und eine Bühne in Prag unter gleichem Namen. Alfréd Radok, einer der wichtigsten tschechischen und europäischen Intendanten der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, war bis 1959 ihr künstlerischer Leiter. Josef Svoboda, der als einer der größten Bühnenbildner der Welt gilt und unter anderem das sogenannten „szenischen Bühnenbild“ und den Polybildschirm entwickelt hat, übernahm ab 1973 die Rolle des Kunstchefs des Theaters.
Mitte der 80er Jahre wurde die Laterna Magika Bestandteil des Nationaltheaters in Prag und zog daraufhin vom Palais Adria in die Nová scená („Neue Bühne“).
Das Gebäude der Nová scená wurde von 1977 bis 1983 neben das des Nationaltheaters gebaut und beherbergte zunächst ein anderes Theater. Eine prächtige Glasfassade prägt die Front des Gebäudes, dessen Inneres mit grünem Marmor aus Kuba verziert ist. Der Zuschauersaal ist wesentlich schlichter gestaltet und richtet sich wie ein antikes Amphitheater zur Bühne.
Das Prinzip
Die Laterna Magika ist ein Schwarzlichttheater, das vollkommen auf Sprache verzichtet und stattdessen vielmehr Pantomime, Tanz, Musik, Licht und Bild in den Mittelpunkt rückt. Der Pantomimeeffekt des klassischen Schwarzlichttheaters wird mit Lichtprojektionen und Videotechnik ergänzt. So werden Filmbilder auf Leinwänden in die Darstellung der Schauspieler und Tänzer auf der Bühne integriert.
Das Geschehen auf der Leinwand wird durch trickreiche Übergänge mit dem Geschehen auf der Bühne verbunden. Zwar beeinflussen sich die Handlung der Bühne und die des Films, doch soll die Bühne stets Bühne und der Film stets Film bleiben. Der Zuschauer soll das Theater als „visuelle Zusammenfassung der szenischen Imagination“ wahrnehmen. Ziel dieses Theaters ist es, die versteckte Wahrheit ins Bühnenlicht zu holen und deren Wahrnehmung durch die ständige Erzeugung von Illusionen zu verändern.
Dazu hat die Laterna Magika ein breites Spektrum an Mitteln zur Verfügung und nutzt für jedes ihrer Stücke ein anderes Prinzip der Verbindung zwischen Leinwand und Bühne. So wurden in den vergangenen Jahren mehr als 30 Bühnenstücke und Projekte entwickelt.
Das Stück
Das Stück „Graffiti“ ist eine Aufführung der jüngsten Generation des Theaterensembles. Es erzählt die Geschichten vierer Menschen, die in einer pulsierenden Großstadt leben. Auf Grund der vorherrschenden Hektik und ständigen Ausdehnung der Stadt ist eine regelrechte Oberfläche bunter, neuartiger Zeichen und Symbole entstanden, die die zwischenmenschlichen Beziehungen verdeckt. Die Theaterschaffenden möchten den Zuschauer auffordern unter diese Oberfläche zu tauchen und die menschlichen Begebenheiten, die sich darunter abspielen, zu ergründen.
Getreu dem Motto der Laterna Magika verschmelzen dynamische Animationen auf den Leinwänden mit modernen Choreografien auf der Bühne.
Kathrin Schäfer